Wahlnachlese: Rainer Krauß ist neuer Bürgermeister in Nonnenhorn; Überraschungen im Gemeinderat

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Eigentlich wollte ich schon im Vorfeld eine Wahlprognose abgeben, zumindest was den neuen Bürgermeister in Nonnenhorn angeht. Aber irgendwie war ich mir nie so ganz sicher in welche Richtung das Pendel ausschlagen wird, auch kurz vor der Wahl noch nicht. Man könnte es mit jenen Worten, die wir aus der letzten großen Wahl in Staaten kennen umschreiben: da war stets von „too close to call“ die Rede.

Und aus diesem Grund gab es hier auf p5p.de keine Prognose. Im persönlichen Gespräch mit einigen politisch ebenfalls interessierten Nonnenhornern lies ich mich dann allerdings doch hinreißen und tippte auf ein etwas knapperes Ergebnis als 55% Krauß und 45% Mosthaf.

Erstens kommt es anderes, zweitens als man denkt. Die Ergebnisverkündung war dann mehr als spannend. Zuerst wurde mir ein Ergebnis zugesteckt, dass nach Auszählung der Stimmzettel im Wahllokal Uwe Mosthaf mit 7 Stimmen vorne liegt. Als dann aber der amtierende Bürgermeister Dr. Michael Hornstein das vorläufige Endergebnis bekannt gab, stand fest, dass Rainer Krauß wurde mit 11 Stimmen vor Uwe Mosthaf gewählt!

Was soll ich sagen? Ein wirklich knappes Ergebnis, das auch was Gutes hat. Uwe Mosthaf kann mit erhobenem Haupt aus diesem Wahlkampf heraus gehen. Es gibt keine Verlierer, sondern einen der neuer Bürgermeister wird und einer der es eben hauchdünn nicht wird.

Ich wünsche Rainer Krauß an dieser Stelle nochmals alles Gute für die kommenden sechs Jahre, die bestimmt ebenso spannend werden.

Ich habe den Eindruck, dass Uwe Mosthaf, sicherlich auch aufgrund seines Alters, eher jüngere Wählerschichten angesprochen hat; wohin gegen Rainer Krauß seine Unterstützer wohl überwiegend bei den Älteren hatte. Auch hat die Nonnenhorner Bauernschaft gezeigt, dass sie wenn es drauf ankommt, zusammen hält. Was ich durchaus positiv meine!

Danach wurde recht schnell das Ergebnis der Landratswahl verkündet. Hier lag der CSU Kandidat Elmar Stegmann klar vorne, was zu erwarten war; wenngleich ich mir persönlich mehr als nur runde 52 % für ihn in Nonnenhorn „ausgerechnet“ hatte. Stephan Bock war in Nonnenhorn erstaunlich stark, anscheinend wirkte seine „von hier“ Kampagne. Dr. Fiedler und Roman Haug lagen in Nonnenhorn mit rund 14% gleich auf.

Danach kam eine lange Durststrecke. Das Warten auf das Ergebnis des neuen Nonnenhorner Gemeinderats. Zuerst hörte man um halb Zehn sei es so weit, dann um 22:00 Uhr. Gespannt wartete ich im Nonnenhorner Stedi. Doch es gab wohl einen Fehler bei der Auszählung, ein Stimmzettel war wohl zuviel. Und so musste der Fehler erst lokalisiert und gefunden werden. Und dann endlich, es mag wohl gegen 23:15 Uhr soweit gewesen sein, wurden die Ergebnisse verkündet.

Ich versuche aus dem Kopf heraus die richtige Reihenfolge innerhalb der Listen (also nach Stimmenanzahl) hier aufzuschreiben. Es kann allerdings sein, dass ich manche Namen vertausche, das ist dann nicht absichtlich, sondern nur weil ich keine Gelegenheit hatte mitzuschreiben.

Dorfgemeinschaft:

  1. Roland Hornstein
  2. Markus Gierer
  3. Margit Moll
  4. Oliver Schaugg
  5. Bruno Witzigmann
  6. Klaus Zentgraf


Freie Bürgerschaft:

  1. Thomas Stoppel
  2. Claus Bihl
  3. Georg Raaf
  4. Hans-Jörg Witzigmann
  5. Tobias Hirlinger
  6. Gabrielle Hornstein

Also 6:6 Stimmen. Zählt man die Stimme vom neuen Bürgermeister Rainer Krauß noch mit dazu, hat die Dorfgemeinschaft die Mehrheit in Nonnenhorn am Bodensee. Inwiefern das in den kommenden sechs Jahren eine Rolle spielen wird, sei dahin gestellt bzw. steht noch in den Sternen. In den vergangenen Jahren spielte meiner Meinung nach die Listenzugehörigkeit außerhalb des Wahlkampfs eine stark untergeordnete bis gar keine Rolle! Wie es in der kommenden Legislaturperiode aussehen wird, vermag ich heute noch nicht zu prognostizieren.

Etwas erstaunlich ist, dass gleich zwei amtierende Gemeinderäte nicht mehr gewählt wurden. Dies sind Peter Mayer und Heinrich Sinz. Mit ein Grund mag wohl der Listenzusammenschluss im Vorfeld gewesen sein. Es ist mir auch bis heute noch nicht so ganz klar, aus welchem Grund dies geschehen ist. Wollte man bei der Aktiv Liste keine eigenen Kandidaten mehr aussuchen? War die Kandidatensuche so schwer? Ich weiß es nicht!

Etwas erstaunt bin ich, dass es doch zwei Frauen in den Gemeinderat geschafft haben. Hier deutete sich für mich lange Zeit an, dass das schwierig werden würde. Laut Aussage eines Wahlhelfers gab es durchaus mehrere Stimmzettel auf denen jeweils nur Frauen mit drei Stimmen bedacht und keine Männer gewählt wurden.

Das finde ich irgendwie bedenklich! Ich denke nicht, dass das Geschlecht ausschlaggebend für eine Wahl sein kann, sondern lediglich der Kopf. Insofern fand ich auch die Veranstaltung im Pfarrsaal im Zuge des Wahlkampfes etwas merkwürdig wo sich nur die weiblichen Gemeinderatskandidaten vorstellen durften und auch primär Frauen angesprochen wurden.

Man Stelle sich einfach mal vor, ich würde einen Stammtisch initiieren, wo ich nur männliche Kandidaten zu einlade und eigentlich auch nur Männer als Zuhörerschaft einlade. Zu Recht würde mir vermutlich jeder Unverständnis entgegen bringen und kopfschüttelnd der Veranstaltung fern bleiben. Aber warum ist es „umgekehrt“ legitim? Ich halte das alles für mehr als fragwürdig, aber gut, wenn es so läuft – wieder was dazu gelernt.

Für mich unklar bleibt derzeit noch, wer neuer zweiter Bürgermeister wird. Mir ist nicht bekannt wer das wird, bzw. nach welchem Prozedere das entschieden wird.. Ein Kandidat aus der Gruppierung mit der insgesammt größten Stimmenanzahl, oder der Einzelbewerber mit der höchsten Stimmenanzahl?

Wäre es die Gruppierung mit der meisten Stimmenanzahl, dann hieße der neue zweite Bürgermeister wohl Thomas Stoppel. Die Freie Bürgerschaft hat nämlich als Liste mehr Stimmen bekommen.

Geht es nach dem besten Einzelergebnis bleibt Roland Hornstein zweiter Bürgermeister von Nonnenhorn. Er konnte das beste Einzelergebnis einfahren.

Fakt ist, dass der neue Gemeinderat den zweiten Bürgermeister wählt. Stimmenmäßig (inklusive Rainer Krauß) hat die Dorfgemeinschaft ja die Mehrheit, was wiederum bedeuten würde dass Roland Hornstein der Stellvertreter von Rainer Krauß wird. Ich bin mir jetzt allerdings nicht im Klaren wie das Prozedere genau ist. Kann hier jemand aus der Leserschaft weiterhelfen?

Mir ist es noch ein Anliegen allen Gewählten alles Gute für die kommende Legislaturperiode zu wünschen, und mögen sie zum Wohle der Allgemeinheit entscheiden.

Auf die Landratswahl, wo es eine Stichwahl zwischen Elmar Stegmann und Roman Haug in zwei Wochen geben wird, werde ich sicherlich noch einmal gesondert eingehen.

One Comment

  1. Kappo
    Posted 4. März 2008 at 07:42 | Permalink

    Auch ich möchte an dieser Stelle den gewählten Gemeinderäten und dem neugewählten Bürgermeister von Nonnenhorn meine Glückwünsche aussprechen.

    Zugegeben, ich hatte mir das Ergebnis ein kleinwenig anders vorgestellt, ab wie Jörg schon oben erwähnt hat, gab es zumindest bei der Bürgermeisterwahl keinen (wirklichen) Verlierer sondern nur einen Gewinner (hoffentlich ;o) ): Nonnenhorn.

    Ich bin gespannt, wie sich die Arbeit des neuen Gremiums gestalten wird und wie Nonnenhorn davon profitieren wird. Die nächsten Jahre werden sicher nicht „langweilig“ werden.

    Also nochmals alles Gute und stets richtige Entscheidungen!

    Zu der Landratswahl möchte ich auch noch etwas loswerden.

    Nach dem anfänglichen Hin und Her in der CSU, wer denn nun Landratskandidat wird, finde ich das Ergebnis von Elmar Stegmann doch sehr gut. Immerhin wurde er erst relativ spät „aus dem Ärmel gezaubert“.

    Ich drücke Elmar Stegmann für seine Wahl zum Landrat in 2 Wochen die Daumen!

    … und ich habe leider absolut keine Ahnung, wie die Wahl der Stellvertreter unseres Bürgermeisters abläuft … Strohhalme ziehen? ;o)

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