Mit Kopfschütteln habe ich vergangenen Freitag in der Lindauer Zeitung gelesen, dass einige Lindauer Stadträte (12) von Bunte Liste, SPD, FW (“Jürgen Müller Partei”) und ÖDP fordern einen kompletten Löschzug (zwei Löschfahrzeuge plus Führungsfahrzeug) plus Drehleiter auf der Lindauer Bodensee-Insel zu belassen und dort eine entsprechende “Inselwache” zu erbauen.
Der Lindauer SBI hatte im Zuge des Neubaus der Lindauer Hauptfeuerwache eine deutliche Verkleinerung der bisherigen Hauptfeuerwache auf der Insel vorgesehen, welche dann noch aus einem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) und einem Mehrzweckfahrzeug (MZF) bestehen soll. Darauf hin formierte sich eine sog. “IG Inselwache”, aus Mitgliedern der Feuerwehr Wache 1 (Insel Lindau Bodensee), die öffentlichen Druck gegen diese Pläne ausüben.
Jetzt haben sich also 12 Stadträte zusammengetan, welche gemeinsam mit der IG Inselwache, die Pläne des Kommandanten torpedieren. Ich schließe mich da dem Schreiber in einem Feuerwehrforum an, welcher ironisch fordert, die Lindauer Stadträte doch mit Funkmeldeempfängern (FME) auszustatten und bei Einsätzen mit zu alarmieren, sie könnten dann mehrheitlich entscheiden und so den Einsatz führen.
Es kann nicht angehen und ist eine bodenlose Frechheit, dass sich Teile des Lindauer Stadtrats aufspielen, als wären sie die “besseren Feuerwehrleute”. Der Oberbürgermeister und sein Stadtrat ernennen zwar einen Kommandanten (welcher zuvor von der Feuerwehr gewählt wurde), aber sie haben sich in keinem Fall in dessen Aufgaben dann einzumischen!
Allerdings muss man auch wissen, wer sich da als Feuerwehr im Lindauer Stadtrat aufspielt und was mögliche Hintergründe sind.
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So ist Jürgen Müller (FW) selbst einmal OB in Lindau am Bodensee gewesen, bis er abgewählt wurde. Seine Nachfolgerin wurde Petra Seidl, welche heute noch OB ist. Zudem wohnt er nahe der geplanten neuen Hauptfeuerwache auf dem Festland und hat schon damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass diese dort nicht gebaut wird; er fürchtet wohl um eine Lärmbelästigung. Ferner ist bekannt, dass er und der Lindauer Kommandant nicht die besten Freunde sind.
Da drängt sich einem schon der Gedanke auf, ob dieses Thema und die trampelhaft agierende “IG Inselwache” Jürgen Müller gerade recht kommen um der Frau OBine Prügel zwischen die Beine zu werfen, die ihn damals vom Thron gestossen hat und dem ungeliebten Kommandanten gleich noch dazu? Soweit die mögliche Motivation des Herrn Müller und “seiner Gruppierung”, der FW.
Der Stimmenfang bei der Bunten Liste (bezeichnen sich zwar als grün, haben aber durchaus starke kommunistische/linke Hintergründe) und der ÖDP wird Müller sehr leicht gefallen sein; die sind nämlich in der Regel erstmal gegen alles, was von Seiten der bürgerlichen Mehrheit (aus CSU und FB) und der parteilosen OBine kommt. Das verwundert mich folglich nicht weiter und lässt ggf. die persönlichen Interessen einzelner gut getarnt erscheinen.
Dass allerdings nahezu die komplette SPD ebenso kopflos scheint und sich aus vermuteter reiner Oppositionshaltung heraus der Sache anschließt, wundert und enttäuscht mich gleichzeitig. Hier hätte ich den Lindauer Genossen etwas mehr (Sach-) Verstand zugetraut.
Jetzt bin ich gespannt, ob die sog. “IG Inselwache” sich vor diesen politischen Wagen spannen lässt, oder ob deren Vernunft und der unbestritten vorhandene Feuerwehrsachversand die “Lunte riechen” lassen. Ich fände es einen starken Zug, wenn gerade die “IG Inselwache” jetzt aufstehen würde, sich bei den Stadträten für die gut gemeinte Unterstützung bedanken und dennoch die Stadträte darauf hinweisen würde, dass dies nicht Aufgabe des Stadtrates sei. Dazu gehört viel, keine Frage, würde aber sogar die Position der IG noch stärken.
Losgelöst von der in Teilen inhaltsleeren und dafür umso mehr emotionsgeladenen Diskussion in Lindau, muss sich die “IG Inselwache” einfach eingestehen, dass sie gar nicht über die Personalstärke verfügt, um einen kompletten Löschzug inkl. Drehleiter vollständig zu jeder Tages- und Nachtzeit zu besetzen. Auch dazu gehört Größe, untermauert aber ebenso die eigene Position nachhaltig.
Mein Appell daher, dass man einen Vertreter der IG Inselwache entsendet, der sachlich und ohne emotionalen Hintergrund, sich mit der Wehrführung an einen Tisch setzt und eine für alle beteiligten Personen akzeptable und vor allem auch wirtschaftliche Lösung im Sinne der Lindauer findet. Große, emotionsgeladene Gremien werden hier, so meine Befürchtung, nie zu einem Konsens kommen. Dabei wäre es so wünschenswert für die Feuerwehr Lindau, aber auch im Allgemeinen, wenn man einen Kompromiss der Fachleute (dazu zählt ausdrücklich nicht der Lindauer Stadtrat) erarbeiten könnte, der es allen Beteiligten ermöglicht mit gehobenem Haupt aus den Sitzungen zu gehen.
Dabei gilt es aber auch der Struktur in der Feuerwehr Rechnung zu tragen. Und, die sieht nun mal vor, dass die Wehrführung (allen voran der Kommandant) Entscheidungen trifft. Im Einsatzfall können wir uns auch nicht erst wochenlang hinsetzen und kontrovers diskutieren. Schon gar nicht den Stadtrat alarmieren, damit dieser mehrheitlich eine Entscheidung trifft, um wieder zum Ausgangspunkt dieses Beitrages zurück zu kommen. Und um die einleitende rhetorische Frage nochmals klar zu beantworten: Nein, der Stadtrat ist nicht der bessere Feuerwehrmann!
Und daher, geschäzte Kammeraden der IG Inselwache, gebt euch einen Ruck, lasst euch nicht vor den politischen Karren eines Jürgen Müller spannen und seid weiterhin so gute Feuerwehrleute wie bisher. Seid Feuerwehrleute, die auch mit geänderten Situationen umgehen und auch mit weniger Material Großes leisten können, dann erst Recht! Und zeigt Größe! Ihr könnt das!
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