Schild-Bürger-Streit

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Der Streit in den Bodenseegemeinden zwischen Lindau und Kressbronn geht weiter.

Zuerst aber ein kurzer Ãœberblick (in knappen Worten) was bisher geschah:

Zwischen Lindau und Kressbronn gibt es auf der B31 neu keine einzige Abfahrt mehr. Das wiederum bedeutet, dass alle, die in den Westen von Lindau, nach Wasserburg oder Nonnenhorn wollen entweder bereits in Lindau Nord-Ost von der B31 abfahren, oder aber in Kressbronn die B31 verlassen müssen. Bis vor ca. einem Jahr wurde das so auch akzeptiert, da in Kressbronn Schilder mit dem Hinweis auf Nonnenhorn und Wasserburg an der B31-Abfahrt angebracht waren. Da die Kressbronner allerdings den gestiegenen Verkehr durch ihren Ort so nicht mehr haben wollten begann man auf der bayerischen Seite Druck auszuüben mindestens eine, besser zwei Abfahrten zwischen Kressbronn und Lindau zu öffnen. Das allerdings ist bei vielen auf der bayerischen Seite nicht willkommen. Und so eskalierte das Thema und der frühere Friedrichshafener Landrat ließ quasi als letzte Amtshandlung (vor seinem Ruhestand) die Hinweisschilder auf Nonnenhorn und Wasserburg entfernen.


Seit dem eskaliert das Thema zunehmend. Nonnenhorner Wirte, die um die Touristen bangen, ließen andere Hinweisschilder bzw. Transparente anbringen, die dann wieder entfernt werden mussten. Darauf hin ließ man sich wieder was Neues einfallen und musste dann auf Androhung eines Busgeldes i.H.v. von 5.000,- Euro vorübergehend wieder klein bei geben. Und das ist bestimmt noch lange nicht das Ende des Liedes! Weitere Eskaltionen und Streit sind vorprogrammiert.

Interessant ist auch, dass die Nachbarn von Nonnenhorn, die Gemeinde Wasserburg, die ebenfalls sehr stark vom Tourismus lebt, anscheinend eine andere Meinung vertritt. Zumindest wenn man einigen Gemeindevertretern zuhört. Hintergrund ist, dass eine mögliche (und bereits vorbereitend gebaute B31-Abfahrt) in Lindau-Rickathofen eine Trassenführung durch die Gemeinde Wasserburg vermutlich zur Folge hätte. Sie soll durch diverse landwirtschaftlich genutzte Grundstücke führen, was den betroffenen Bauern verständlicher Weise ganz und gar nicht gefällt. Ferner ist eine Anbindung an den Kreisverkehr an der alten B31 oberhalb von Wasserburgs Ortskern angedacht. Und sie soll durch das neu entstandene Wohngebiet am Mittelseemoos führen, bzw. direkt daran vorbei. Das finden natürlich die dort wohnenden Familien – auch im Hinblick auf ihre Kinder – nicht toll.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Äußerungen von Lindaus Oberbürgermeisterin Petra Seidl, die enorme Autozahlen dadurch für Lindau prognostiziert und damit Lindaus Bürgern Angst einjagt. Bis dato wurde allerdings noch nicht darüber berichtet, dass Lindaus OBine in unmittelbarer Nähe zur geplanten Abfahrt Rickatshofen gebaut hat und erst vor wenigen Tagen dort eingezogen ist. Und aus diesem Grund werfen viele Befürworter der dort geplanten B31 Abfahrt Lindaus Oberbürgermeisterin Eigeninteressenvertretung vor.

Wie dem auch sei, das Thema scheint sich zum großen Wahlkampfthema (Kommunalwahlen in Bayern Anfang März 2008) zu entwickeln. Dies finde ich im Hinblick auf eine für alle kompromissfähige Lösung mehr als bedenklich. Denn wer jetzt Stimmung macht, braucht keine Lösungen erwarten. Jeder Gemeinderat- und Bürgermeisterkandidat muss gänzlich im Sinne seiner Wählerschaft agieren, will er ernsthaft gewählt werden. Eine klare Stellung kann aus wahltaktischer Überlegung heraus folglich gar nicht ausgesprochen werden, nimmt man es ernst und will in das entsprechende Amt gewählt werden.

Noch viel deutlicher verhält dies sich beim Landratskandidaten. Dieser kann und darf zum jetzigen Zeitpunkt und im Wahlkampf keine Stellung zu diesem Thema beziehen. Da hilft es auch wenig, wenn der Kandidat der Freien Bürger, Roman Haug, groß erklärt er würde die betroffenen Gemeinden an einen Tisch holen, damit sich das Klima wieder verbessere. Ach echt? Ist ja auch quasi seine Aufgabe als Landrat! Manchmal finde ich es einfach besser man sagt nichts! Da verhält sich der CSU Landratskandidat Elmar Stegmann schon besser, wenn er sagt dass er bis 10. Januar erstmal verschiedene Stellen hört und sich ein genaues Bild der Probleme und Themen vor Ort im Landkreis macht. Es bleibt immer noch genug Zeit sich zu äußern. Und jeder der glaubt noch während des Wahlkampfes von einem der Landratskandidaten eine klare Stellung in der Form „pro“ oder „kontra B31 Abfahrt Rickatshofen“ zu hören irrt. Und das kann man den Kandidaten, gleich welcher Gruppierung, auch nicht übel nehmen.

Fakt jedenfalls ist, dass etwas geschehen muss. Und da, so glaube ich behaupten zu können, sind sich sowohl die Nonnenhorner, als auch die Wasserburger Bürgerinnen und Bürger einig. Zumindest alle, die direkt oder indirekt vom Tourismus hier am bayerischen Bodensee leben. Denn viele von ihnen können von Gästen berichten die viel später eingetroffen sind als geplant, da sie eine Odyssee über die B31 und durchs Hinterland des bayerischen Bodensees hinter sich haben. Durch den häufigen Umbau der Ab- bzw. Auffahrten auf die B31 neu in Kressbronn zeigen viele GPS-Navigationssysteme zu allem Übel nämlich auch noch den falschen Weg an. Was für die Gäste wahnsinnige Umwege und kostbare Zeit, sowie Stress bedeutet. Und das in Zeiten wo überall von Klimawandel und CO2 Ausstoß zu lesen ist.

Darum dürfte allen klar sein, dass hier dringend eine Lösung des Problems gefunden werden muss. In welche Richtung, bzw. über welche Trassen und Abfahrten, ist noch zu diskutieren. _Gemeinsam_ sollte hier jedoch eine Lösung gefunden werden! Doch jetzt an die einzelnen Kandidaten für Landrat, Kreistag, Bürgermeister und Gemeinderäte heranzutreten macht bis zur Wahl (und einer eventuellen Stichwahl) wenig Sinn. Vielmehr, wenn man es nicht erwarten kann, wäre sinnvoll zum jetzigem Zeitpunkt an die Vertreter der Europäischen Union heranzutreten. Denn dieser Gesichtspunkt (Stichwort Fauna, Flora Habitat – FFH) und der gleichen mehr wurde anscheinend noch gar nicht beleuchtet. Denn das wird eine weitere Rolle bei diesem Thema spielen. Wetten?

One Comment

  1. Lorenz
    Posted 21. Dezember 2007 at 07:19 | Permalink

    Sehr interessanter Artikel. Die Ãœberschrift ist sehr passend gewählt 😉

2 Trackbacks

  1. […] Als Zwischenlösung müssen die Hinweisschilder auf Nonnenhorn und Wasserburg an der Kressbronner B31 Abfahrt wieder angebracht werden. Mehr zum Schild-Bürger-Streit hier. […]

  2. […] noch etwas unsicher und nervös. Erst im weiteren Gespräch, als es um das Thema „B31 Abfahrten“ ging, brach das Eis bei Rainer Krauß und er profitierte aus seiner Erfahrung im Landratsamt […]

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