Lustiges Spiel – neuer touristischer Ansatz für ein kleines Dorf

Filed under Geocaching

Das ein kleiner stark touristisch ausgeprägter Ort wie Nonnenhorn im Netz ordentlich vertreten sein muss und noch dazu die sog. Web 2.0 Elemente besitzen sollte, ist mittlerweile vermutlich jedem, der irgendwie in diesem Bereich angesiedelt ist, bekannt und hoffentlich auch klar.

Ãœber die „neue“ Website der Gemeinde Nonnenhorn, das eingesetzte CMS und die Suchmaschinenunfreundlichkeit, sowie die Probleme mit Dublicate Content will ich mich an dieser Stelle jetzt gar nicht auslassen – will ja nicht nur kritisieren, sondern eher positive Impulse liefern und dabei ein für mich neues witziges Hobby vorstellen.






Dieser Artikel soll das Thema „Geocaching“ kurz vorstellen und gleichzeitig die Chancen und Möglichkeiten aufzeigen, die dieses Hobby für die Tourismusregion Bayerischer Bodensee bietet. Vielleicht gibt es ja tatsächlich aufgeschlossene Touristiker in Nonnenhorn und Umland, die das Thema einmal aufgreifen …

Aber fangen wir ganz am Anfang an: Was ist Geocaching eigentlich?

Eine modernisierte Variante einer Schatzsuche, oder auch eine Art Schnitzeljagd, umschreibt das Thema wohl am Besten. Das ganze ist ein globales Spiel.

Im Internet, z.B. auf der Seite geocaching.com, findet man Hinweise auf sog. Caches, also Schätze. Diese werden mit den GPS Koordinaten angegeben und oft auch noch mit weiteren versteckten Hinweisen, wo denn der „Cache“ genau zu suchen bzw. zu finden ist.

Es gibt unterschiedliche Arten von Caches.

So gibt es beispielsweise ganz kleine, Nano genannt, die lediglich einen kleinen Papierstreifen enthalten auf dem sich der Finder dieses Caches mit Datum und Benutzername (von geocache.com) eintragen kann. Hier in der Gegend sind dies meist kleine schwarze magnetische Behälter, kleiner als ein Fingerhut.

Dann gibt es sog. Micro-Caches. Meist Filmdosen oder Dosen von Fahrradflickzeug. Die darin enthaltenden „Log-Bücher“, wo sich die Finder eintragen können, enthalten noch Hinweise für sog. Muggels. Dies sind Menschen, die eigentlich keine Geocacher sind, aber trotzdem den Cache gefunden haben. Darauf steht eine kurze Beschreibung zum Spiel und dass der Behälter doch am Ort gelassen werden soll.

Dann gibt es noch größere Behältnisse, z.B. Marmeladegläser oder ähnliche Behältnisse. Darin sind neben den Logbüchern oft auch kleine „Schätze“ enthalten. Dies sind kleine, günstige Gegenstände oder sog. Coins (spezielle Münzer von Geocachern). Der Finder nimmt sich dann eines der Geschenke heraus und legt etwas anderes, vergleichbares, wieder in das Behältnis hinein, bevor den Cache wieder versteckt. Man nennt diese Art von Cache auch oft „Hotel“ und wünscht sich, dass nicht alle Gäste gleichzeitig abreisen; d.h. man bittet darum, dass sich die Finder nicht nur bedienen und alles mitnehmen, sondern auch etwas da lassen.

Außerdem gibt es auch noch Multi-Caches und Mystery-Caches. Diese beinhalten dann Rätsel und Hinweise auf andere Verstecke.

Wie funktioniert Geocaching jetzt also genau? Was braucht man?

Man registriert sich auf einer Geocaching Website, wie beispielsweise eben geocaching.com. Dort bekommt man dann aufgezeigt wo sich welche Caches verstecken. Auf den beschreibenden Seiten bekommt man dann nähere Hinweise und die GPS Koordinaten dazu. Die Hinweise druckt man aus und die GPS Koordinaten lädt man sich bequem auf sein GPS Gerät herunter. Hierfür werden üblicherweise sog. Outdoor GPS Geräte (z.B. Garmin GPSMap 60CSx) verwendet, wie sie ohnehin schon viele Segler, Wanderer, Mountainbiker etc. besitzen. Diese Geräte sind um die 200,- Euro zu haben und können für weit mehr als „nur“ das Geocaching verwendet werden.

Danach macht man sich auf die Suche nach den Caches. Hat das GPS einem erst einmal den Weg zum Schatz gezeigt, muss man selbst oft richtig lange danach suchen. Denn so genau die GPS Geräte heute auch sind, eine Abweichung von 2-6m ist durchaus normal. Und in der Regel haben die „Owner“ (die den Cache versteckt haben) sich richtig Mühe bei der Auswahl des Versteckes gegeben.

Hat man den Cache dann gehoben (gefunden), trägt man sich in das Logbuch ein und notiert sich wann dies war. Später zuhause trägt man dies dann, meist in Kombination mit einem Danke und einem kurzen Bericht, auf der Website des Caches ein.

Wer macht denn so was überhaupt?

Sind das irgendwelche wenigen Verrückten? Nein, ganz im Gegenteil. Geocaches sind wirklich ganz unterschiedlichen Alters. Viele Familien praktizieren dies um mit ihren Kindern ausgiebige Wanderungen mit reichlich Aktion zu erleben. Junge Leute, die auf der Jagd nach möglichst vielen Funden sind, ältere Leute, die so neue, oft sehr schöne Orte gezeigt bekommen usw. Die Bandbreite ist also sehr groß.

In Deutschland sind mehr als 75.000 Caches registriert, die Zahl wächst täglich, ebenso wie der der Suchenden. Das ganze weltweite Spiel existiert seit dem Jahr 2000 organisiert.






Aha! Und was mit dem touristischen Ansatz?

Dies ist gerade für eine kleine Gemeinde wie Nonnenhorn, aber auch der Verbund „Bayerischer Bodensee“ natürlich eine Möglichkeit mehrere Schatzsucher an den Bodensee zu locken. Unterstützt man als Gemeinde dies, beispielsweise durch gezielte Publikationen und unterstützende Maßnahmen, bekommt man mit vergleichbar sehr geringem finanziellen Aufwand ein sehr vielseitiges Zielpublikum.

Geocacher sind stets darauf aus neue Schätze zu heben und neue, bisher unbekannte Regionen zu erkunden. Wir sind bei unserer Suche in Lindau und Hinterland schon des öfteren auf Geocacher aus der Schweiz und Österreich gestoßen, die Tagesausflüge hier her gemacht haben. Aber auch schon Urlauber haben wir getroffen, die zum Geocachen an den Bodensee gefahren sind.

Würde man diese Leute verstärkt ansprechen, ihnen Caches und weitere Informationen geben und vielleicht darüber hinaus noch mehr Menschen vom Geocaching begeistern, generiert man für schmales Geld eine sehr gute und wiederkehrende Zielgruppe, die oft saisonunabhängig nach Übernachtungsmöglichkeiten sucht und Hunger und Durst nach einer anstrengenden Schatzsuche stillen will.

Hier könnt ihr sehen, wie viele Caches ich schon gefunden habe und wie viele ich bereits selbst ausgelegt habe:
Profile for tunefich

Einen Überblick, welche und wie viele Caches es rund Nonnenhorn bereits gibt, kann auf dieser Website sich anschauen. Viel Spaß dabei!

Wer jetzt Lust bekommen hat dies selbst mal auszuprobieren, darf mich gerne ansprechen. :-)

Ähnliche Ansätze möchte ich demnächst zum Thema OSM und Free-WLAN (WiFi) geben. Hier gibt es jede Menge Potential für Nonnenhorn, man müsste es nur anfassen (wollen). Alles mit recht einfachen und wenigen Mitteln realisierbar …

6 Comments

  1. babsie
    Posted 6. Januar 2009 at 12:32 | Permalink

    Da bin ich aber froh, dass du das hier so genau erklärst…
    dann meld ich mich jetzt gleich mal an und zieh mit meinem GPS los :-)

  2. stephan
    Posted 8. Januar 2009 at 17:02 | Permalink

    Die Idee, Geocaching als Marketing-Strategie für Tourismus einzusetzen finde ich super. Die Stadt Heidenheim hat dies übrigens auch schon erkannt. Dort gibt es zwei Cachingrouten die über die Stadt und deren Geschichte informieren. „Wer alle Koordinaten bestimmt und die Lösung aufgeschrieben hat, darf sich über ein kleines Geschenk der Tourist-Information freuen.“ (Textauszug Homepage Stadt Heidenheim)

    Auf diese Weise kann der Gast spielerisch die Gegend erkunden und erfährt mehr über Land und Leute. Mit Sicherheit auch für Familien mit Kindern ein riesen Spaß. Denn mal ehrlich, einen Schatz wollten wir doch alle schon mal finden. Ich finde das super Idee, die hoffentlich ernst genommen wird.

  3. Tim
    Posted 13. Januar 2009 at 23:23 | Permalink

    Das ist ein interessanter Ansatz. Bin immer wieder überrascht wie viele Leute in meinem Bekanntenkreis als Geocacher aktiv sind…

    Aber es gibt ja so viele interessante Gebiete für Geocacher dass ich mal behaupten mag, dass man schon einen wirklich grandiosen Ort bieten muss um mehr als 10 Touristen in sein Dorf zu locken – und die kaufen ja auch maximal ne belegte Semmel und kommen nicht zum golfen 😉

  4. Posted 13. Januar 2009 at 23:28 | Permalink

    Hallo Tim,

    danke für deine Hinweise. Allerdings freut man sich zwar auch über ne verkaufte belegte Semmel, aber ich gehe doch davon aus, dass dies etwas mehr bewegt.

    Ein Alleinstellungsmerkmal ist es sicherlich nicht, aber die Summe guter und innovativer Ideen bringt Erfolg und erfreut auch die angesprochene Zielgruppe.

  5. Posted 12. Februar 2009 at 10:47 | Permalink

    Ich denke, dass seine Ideen sind sehr interessant (ich meine Geocaching als Marketing-Strategie für Tourismus), aber ich auch denke, dass solche Ideen würde keine gute (oder wesentliche) Ergebnisse haben. Alles scheint sehr produktiv sein, aber ich habe Bedenken.

  6. Posted 20. April 2010 at 08:40 | Permalink

    Danke für deine Mühe, da habe ich wieder etwas dazugelernt.

2 Trackbacks

  1. […] Vor einer Woche habe ich darüber geschrieben, dass man gerade hier am Bayerischen Bodensee Geocaching auch als Tourismusmagnet einsetzen kann. Heute, eine gute Woche nach meinen ersten Versuchen, ziehe ich eine erste (positive) Bilanz zu diesem Test.  […]

  2. […] wollte ich ja schon lange einen Artikel zu OpenStreetMap und die Verwendung im Tourismus schreiben, angekündigt hatte ich das ja schon hier. Aus aktuellem Anlass muss es jetzt aber quasi […]

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *

*
*