Kommunalwahlkampf Posse im Weindorf Nonnenhorn

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Das beschauliche und friedliebende Weindorf Nonnenhorn am Bodensee liegt noch im bayerischen Teil. Was heißt „noch“, Nonnenhorn ist nicht das Ende sondern vielmehr der Anfang von Bayern, aber das nur mal nebenbei bemerkt. :) Und in Bayern sind nun mal am 2. März 2008 Kommunalwahlen, also auch im kleinen Dörfchen Nonnenhorn, welches übrigens die flächenmäßig kleinste eigenständige Gemeinde in ganz Bayern ist.


Normalerweise ist es in Nonnenhorn, auch politisch gesehen, immer ganz friedlich. Auf Kreis-, Bezirks-, Land-, Bundes- und Europäischer Ebene wählen die Nonnenhorner mehrheitlich schwarz, also die CSU weil ja Bayern.

Auf Ortsebene jedoch gibt es keine Parteienlandschaft im Rathaus. Zwar ist seit langem immer ein CSU Bürgermeister oberster Chef im Nonnenhorner Rathaus gewesen, er wurde aber nie hauptsächlich von der örtlichen CSU Ortsgruppe nominiert, sondern stets von örtlichen Wählergruppen. Auch gibt es Gemeinderäte die ein CSU Parteibuch haben und trotzdem können diese auf unterschiedlichen Listen in Nonnenhorn kandidieren.

Generell war es bis dato ohnehin meist so, dass nach der Wahl ziemlich egal war, wer von welcher Liste gekommen ist – die meisten haben das gleich nach der Wahl vergessen! Und so gibt es also keine Fraktionen im Nonnenhorner Gemeinderat und auch keine parteibedingten Streitereien. Die meisten Nonnenhorner sind darüber unheimlich glücklich und wollen dass dies stets so bleibt.

In der nun zu Ende gehenden Periode gab es im Nonnenhorner Gemeinderat noch drei Wahlgruppierungen (also diese gab es bei der letzten Wahl). Doch nun sind es nunmehr zwei, weil sich die kleinste Gruppierung (Aktiv Liste) der sog. „Freien Bürgerschaft Nonnenhorn“ angeschlossen hat.

Der Bürgermeister war/ist Dr. Michael Hornstein; auch Mitglied der CSU und für diese ebenfalls im Kreistag. Doch der will nun nach nur einer Amtsperiode nicht mehr. Und weil es anscheinend so schwierig ist geeignete Bürgermeisterkandidaten für die kleine Weindorfgemeinde Nonnenhorn zu finden, die dieses Amt ehrenamtlich ausüben wollen (was nicht mit „umsonst“ gleichzusetzen ist), hat der Nonnenhorner Gemeinderat beschlossen dass zukünftig ein Hauptamtlicher Bürgermeister sein soll.

Das wurde sodann in Form einer „Stellenanzeige“ öffentlich ausgeschrieben. Und siehe da, plötzlich fanden sich Unmengen dazu berufen für diesen Job. Alle im Übrigen nicht aus Nonnenhorn! Und weil ja jemand sichten und organisieren muss, haben ein paar wenige Leute, allen voran der Vorsitzende der Weinbauern, die Bewerbungsunterlagen studiert und eine Auswahl getroffen.






Normalerweise gibt bzw. gab es in Nonnenhorn immer nur einen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters. So haben es diejenigen, welche die Vorauswahl treffen, den Nonnenhorner Bürgern immer leicht gemacht. Die Bürger sollten zwar wählen (gehen) aber mussten nicht auswählen, das hatte man ihnen schon abgenommen. Ist ja auch wunderbar, weil dann gibt es politischen Frieden im kleinen Dorf der Weinbauern und keine Diskussionen um politisch bessere Ideen und Modelle!

Nun ist es aber so, ich weiß gar nicht wie es dazu kommen konnte, dass plötzlich zwei Kandidaten für den Bürgermeister in Nonnenhorn zur Wahl stehen. Jede, der nun verbleibenden Listen, stellt einen Kandidaten auf.

Die Dorfgemeinschaft mit neuem Listenführer Roland Hornstein hat vor gut einer Woche die Gemeinratskandidaten und den Bürgermeisterkandidaten nominiert. Fand normalerweise eine solche Nominierungsveranstaltung in Hinterzimmern von lokalen Gasthäusern statt, so wählte man dieses Jahr den doch größeren Pfarrsaal. Was sicherlich eine gute Entscheidung war, weil selbst dieser aufgrund des enormen Andrangs brechend voll war. So groß war das Interesse noch nie, zumindest so weit ich mich erinnern kann!

Wie dem auch sei. Sowohl die Gemeinderatskandidaten, als auch der Bürgermeisterkandidat Rainer Krauß wurden von den nominierenden Anwesenden mit großer Stimmzahl gewählt.

Bereits an diesem Nominierungsabend war schon so etwas wie Wahlkampf zu spüren. Es wurde diskutiert und argumentiert, wer denn nun die besseren Kandidaten habe. Warum von der Dorfgemeinschaft bis auf Roland Hornstein alle anderen Gemeinderäte nicht mehr antreten und andere Dinge waren plötzlich themenrelevanter Gesprächsstoff in Kneipen, am Fußballplatz und zuhause in der guten Stube. Und es gab speziell im Hinblick auf die beiden Bürgermeisterkandidaten Rainer Krauß (Dorfgemeinschaft) und Uwe Mosthaf (Freie Bürgerschaft) ernstere Diskussionen. Ja fast schon Streit.

Auch nach dem Abend der Nominierungsversammlung wird weiter diskutiert. Der Wahlkampf hat definitiv Einzug in das beschauliche, politisch ach so friedliche, Weindorf Nonnenhorn gehalten. Auch auf der Nominierungsversammlung der Freien Bürgerschaft Anfang Januar (8. Januar 2008 im Stedi) wird es sicherlich nochmals heiß hergehen. Und danach bis zum 2. März erst recht.

Schon heute wird mit Austritten (aus diversen Vereinen) gedroht wenn man sich für den einen oder anderen Kandidaten öffentlich ausspricht. Es wird mit allen Mitteln gekämpft! Und das, obwohl sich wohl kaum ein Nonnenhorner, der nicht zum erlauchten Kreis der örtlichen Bürgermeistermacher gehört, bisher ein objektives Bild der beiden tatsächlich zu Aus-Wahl stehenden Kandidaten machen konnte. Klar, Rainer Krauß (Büroleiter des Lindauer Landrats) hat sich kurz vorgestellt. Das war aber nur ein erstes „Kennen lernen“ und „Beschnuppern“, speziell seinen Lebenslauf hat er dargestellt. Aber von politischen Ideen für das Weindorf war bisher wenig zu hören. Der zweite Kandidat Uwe Mosthaf ist noch nicht einmal offiziell nominiert und direkt und öffentlich hat er sich noch gar nicht vorgestellt.

Man darf also gespannt sein, wie es weiter geht. Aus den beiden Listenlagern hört man aber bereits stimmen, dass es keine Podiumsdiskussionen mit beiden Kandidaten geben soll. Warum nicht? Fürchtet man zu heftige Reaktionen einzelner? Klar ist eine Podiumsdiskussion für die teilnehmenden Kandidaten bestimmt kein Zuckerschlecken, aber das ist die spätere Arbeit auch nicht jeden Tag. Auch dort lauert manchmal das viel beschriebene „Haifischbecken“! Ich finde eine Podiumsdiskussion gut und würde diese auch für Nonnenhorn begrüßen. Wie wichtig und Wahl entscheidend sie sein kann hat das Beispiel aus der Nachbargemeinde Wasserburg bei der letzten Wahl gezeigt.






In diesem Sinne: Ich bin gespannt welche Reaktionen diese für Nonnenhorn neue Erfahrung „Wahlkampf“ noch zu Tag bringen wird. Und eines müssen alle wissen: man kann sich über bessere politische Lösungen streiten, danach muss man sich aber auch mit Kompromissen arrangieren können. Persönliche Fehden daraus jedoch abzuleiten ist nicht gefragt. So ist es mit Demokratie! Willkommen Nonnenhorn in dieser neuen Erfahrung, Demokratie! :)

Ich werde in loser Folge von diesem spannenden Thema „Aus-Wahl in Nonnenhorn“ weiter berichten. Und da ich nicht für ein Amt kandidiere, kann ich ja auch meine politischen Vorstellungen und Vorschläge für Nonnenhorns Zukunft äußern – ich muss ja nicht fürchten nicht gewählt zu werden! :)

3 Comments

  1. Andi
    Posted 23. Dezember 2007 at 16:33 | Permalink

    Ich möchte mich der Ansicht von Jörg Fischer anschließen. Auch ich würde eine gemeinsame Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten in Nonnenhorn begrüßen.

    Allerdings muss es meiner Meinung nach nicht unbedingt eine Podiumsdiskussion („Mann gegen Mann“) sein. Eine gemeinsame, zeitlich begrenzte Vorstellung wäre durchaus wünschenswert. Dies wäre der ideale Abschluss zu den jeweils geplanten Vorstellung der Kandidaten in den örtlichen Wirtschaften oder bei verschiedenen Vereinen.

    Ich hoffe, dass sich die Listenführer, wie auch die Bürgermeisterkandidaten auf eine gemeinsame, öffentliche Vorstellung im Stedi einigen könnten, damit auch in unserem beschaulichen Dorf zumindest etwas Wahl-„Kampf“ stattfinden kann.

    Die Mehrheit der Wähler würde sich dies sicher auch wünschen, da man bereits bei der Nominierungsveranstaltung der Liste „Dorfgemeinschaft Nonnenhorn“, im damals überfüllten Pfarrsaal, gesehen hat, dass die Nonnenhorner Bürger im Jahr 2008 durchaus ein gesteigertes Interesse an der Kommunalwahl zeigen werden.

  2. bodensee
    Posted 15. Februar 2008 at 18:34 | Permalink

    nur noch eine kleine anmerkung zu Findungskommison gehörten auch Herr Bihl und Herr Raaf

  3. Posted 15. Februar 2008 at 20:48 | Permalink

    Lt. meiner Kenntnis, was mehr oder weniger der ganze Gemeinderat im Vorfeld eingebunden.

    Die „Bewerbungsunterlagen“ wurden aber an Josef Gierer geschickt, der leitete meines Wissens auch die „Findungskommission“. Und darum habe ich auch geschrieben „allen voran der Vorsitzende der Weinbauern“. Klar ist auch, dass er nicht alleine die Auswahl getroffen hat.

One Trackback

  1. […] bereits nach und nach und wie auch schon hier berichtet die Nominierungs- und ersten Wahlkampfveranstaltungen im Bodensee-Weindorf Nonnenhorn […]

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