Feuerwehr in Lindau und in Nonnenhorn am Bodensee

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Der interessierte Staatsbürger informiert sich bekanntlich, was denn gerade so auf lokalpolitischer Ebene los ist. Und es muss auch erlaubt sein, ein wenig über den Tellerrand zu blicken. Aus diesem Grund interessiert es natürlich auch einen Nonnenhorner was denn so in Lindau am Bodensee derzeit los ist.

Neben dem dortigen Kommunalwahlkampf bestimmt wohl ein weiteres Thema die politische Agenda in Lindau. Der geplante bzw. geforderte Neubau für die Feuerwehr.

Da ich selbst Mitglied der Feuerwehr Nonnenhorn bin und auch entsprechende Erfahrungen mit dem jetzigem „neuen“ Feuerwehrhaus von Nonnenhorn in den letzten Jahren machen durfte, möchte ich meine Gedanken auch zur aktuellen Diskussion in Lindau niederschreiben.

Vielleicht erstmal kurz zum Nonnenhorner Feuerwehrhaus:
Dieses wurde vor wenigen Jahren erst neu errichtet und beheimatet seither die Ortsfeuerwehr Nonnenhorn. Zweifelsohne, architektonisch schmiegt sich das Gebäude in die umliegende Bebauung ein. Nicht zu protzig, wenig industriell, eher unscheinbar und mit glasierten Dachziegeln. 😉

Doch mal Hand aufs Herz: Muss so ein Feuerwehrhaus sein? Durch den mittig aufgesetzten Schulungsraum im ersten Stock haben wir in der Fahrzeughalle jede Menge Stützen zu ertragen, welche die Arbeit durchaus behindern und den Platz einschränken. Die Kellerräume sind zwar gut gemeint, aber wer will wirklich Sandsäcke und der gleichen mehr händisch in den Keller tragen um diese dann bei Bedarf einzeln wieder nach oben zu schleppen?

Ferner könnte man meinen, dass drei Fahrzeugboxen für eine kleine Ortsfeuerwehr ausreichend wären, doch diese sind bereits heute voll! Dort steht ein fast 30 Jahre alter Mercedes Bus für den Mannschafts- und Kleinmaterialtransport, das über 20 Jahre alte Löschfahrzeug (LF8) und der KATER, das Katastrophenschutzfahrzeug des Landkreis Lindau. Für dieses KATER-Fahrzeug, welches von Teilen der Ortsfeuerwehr Nonnenhorn bedient wird, bekommt die Gemeinde Nonnenhorn sogar Miete für die Unterbringung und die Feuerwehr profitiert zusätzlich von der zur Verfügung gestellten Ausrüstung (z.B. Melder).






Tja und eigentlich ist damit die Fahrzeughalle zu klein. Durch die geänderten Aufgabenbereiche der Feuerwehren wäre ein weiteres Transportfahrzeug (mit wechselbarer Beladung – Pritsche und Plane) mehr als wünschenswert. Doch dazu fehlt neben Geld auch der Platz im Feuerwehrhaus. Ebenso für die Einlagerung von Sandsäcken, Pumpen, Ölbindemitteln und weiterem Equipment für die technische Hilfeleistung.

Aus diesem Grund habe ich schon vor dem Bau des neuen Nonnenhorner Feuerwehrhauses dafür plädiert, dieses zusammen und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bauhof zu errichten. So hätten viele technische und sanitäre Einrichtungen gemeinsam genutzt werden können. Ein gemeinsames Lager, der Gabelstapler im Bauhof hätte auch von der Feuerwehr mitgenutzt werden können und viele weitere Vorteile hätten sich meiner persönlichen Meinung nach an einem gemeinsamen Standort ergeben können. Dies hätte in Kombinationen mit einem etwas weniger „schickem“, dafür funktionalerem Feuerwehrgebäude durchaus Kosten sparen geholfen. So meine rein persönliche Meinung.

Heute höre ich oft von Nonnenhornern, die hinter vorgehaltener Hand, über das „teure“ Feuerwehrhaus im Weindorf schimpfen. Grundsätzlich kann ich ihnen zustimmen. Etwas verärgert werde ich allerdings wenn das Feuerwehrhaus als Argumentationshilfe herangezogen wird, dass für die Feuerwehr Nonnenhorn in nächster Zeit keine finanziellen Mittel bereitgestellt werden sollen, weil ja schon genug in den Neubau des Feuerwehrhauses geflossen sei.

Dazu folgende Anmerkungen:

  • mit einem „schönem“ Feuerwehrhaus kann man keinen Brand löschen und keinen Keller auspumpen!
  • Das Löschfahrzeug (LF8) ist mittlerweile über 20 Jahre alt. Technisch gesehen auch noch recht gut in Schuss, dank der intensiven Pflege durch den Gerätewart der Feuerwehr Nonnenhorn. Allerdings längst nicht mehr auf dem Stand der heutigen Technik. Um heute größerem Schaden schnell und effektiv entgegenzuwirken, zählt bei einem Brandeinsatz jede Sekunde in Symbiose mit moderne Technik. Ein wasserführendes Fahrzeug ist eigentlich „Pflicht“. Auch müssen sich die Atemschutzgeräteträger schnell während der Anfahrt zum Einsatzort ausrüsten können. All dies vermag das LF8 der Feuerwehr Nonnenhorn leider nicht mehr zu leisten. Aus diesem Grund wird meiner Meinung nach hier in den nächsten fünf Jahren dringend ein modernes Ersatzfahrzeug benötigt.
  • Auf das MZF, den Mercedes Bus, welchen die Feuerwehr Nonnenhorn gebraucht vor einigen Jahren angeschafft hatte, will ich gar nicht näher eingehen. Wer will, soll sich mal melden, dass wir eine gemeinsame Fahrt mit dem knapp 30 Jahre alten Stück machen. Da klären sich dann alle Fragen zum Fahrzeug schnell von selbst!
  • Für weitere Werkzeuge ist eigentlich kein Platz mehr, auch keine Lagerfläche im Feuerwehrhaus für Sandsäcke etc.. Und das obwohl noch dringend weiteres Material gebraucht werden würde. Näheres habe ich bereits hier geschrieben.
  • Und abschließend: Wer denkt dass man die Feuerwehr nicht braucht, oder mit irgend einem anderen Verein im Dorf vergleichen möchte, irrt! Schließlich ist es die Feuerwehr die in Notsituationen stets zur Stelle ist und hilft. Und, das vergessen manche, die Feuerwehr ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Das heißt die Gemeinde muss für ausreichenden Brandschutz und die Feuerwehren sorgen und auch finanziell aufkommen. Und das ist in Bayern noch viel besser als beispielsweise in Würrttemberg gereglt; hier bekommt jeder Feuerwehrmann für Ãœbungen und Einsätze sogar Geld ausbezahlt!

Doch was genau hat dies nun alles mit der Feuerwehr Lindau zu tun, über die ich eigentlich schreiben wollte? Nun, eigentlich nur soviel, dass man in Lindau anscheinend seitens der Feuerwehr erkannt hat, wie ein Feuerwehrgebäude effektiv und kostengünstig erbaut und betieben werden sollte. Denn die Lindauer Kameraden wollen ein gemeinsam genutztes Gebäude mit dem ebenfalls in Lindau stationiertem Technischem Hilfswerk (THW) bauen. So könnte man viele Einrichtungen gemeinschaftlich nutzen und für den Ernstfall besser gerüstet sein. Hierzu bietet sich in Verlängerung zu dem großen Starkgebäude in der Robert-Bosch-Straße in Lindau geradezu die freie Fläche an.

Doch schon werden Stimmen mancher Anwohner laut, die dies verhindern möchten. Allen voran der frühere Lindauer Oberbürgermeister und jetzige Stadtrat Jürgen Müller (WL), der ganz zufälligerweise ebenfalls selbst Anwohner an das genannte Grundstück ist. Man hat Angst vor der Feuerwehr, diese könnte, speziell nachts, furchtbar laut sein. Ängste die ich nicht nachvollziehen kann. Denn erstens könnte es durch eine intelligente Ampelschaltung ermöglicht werden, dass die Fahrzeuge im Einsatzfall ohne Martinshorn ausrücken könnten und zweitens geht es hier ja um was! Keiner wird aus Spaß nachts um drei geweckt und fährt mit Blaulicht und Martinshorn durch Lindau! Wenn man selbst in einer Notsituation ist, stört das auch nicht mehr!

Strategisch gesehen ist auch der Standort optimal für Lindau, denn wie der Kommandant Robert Kainz aus Lindau aufführt wohnen und arbeiten wohl recht viele Feuerwehrler in diesem Gebiet und könnten so im Ernstfall schnell am Gerätehaus Lindau und damit auch schnell an der Einsatzstelle sein. Also durchaus nachvollziehbare Überlegungen!

Umso erstaunter war ich heute, als ich in der LZ gelesen habe, dass sich nun auch der Vorsitzende des BN (Erich Jörg – hat im Übrigen nichts mit mir zu tun) vor den Karren von Jürgen Müller spannen ließ. Dieser gibt jetzt auch eine Presseerklärung heraus, wo er sich gegen den geplanten Standort ausspricht, auch wenn dann Feuerwehr und THW nicht gemeinsam bauen könnten, wie er einräumt. Für mich gerade in Zeiten knapper kommunaler Kassen wenig verständlich. Aber auch die Wahrung der Grünfläche, mitten im Gewerbegebiet von Lindau, will mir nicht ganz einleuchten; noch dazu wo ja ein Grünstreifen meiner Meinung nach durchaus stehen bleiben würde! Ich kann nur hoffen, dass die Mehrheit im Lindauer Stadtrat sich für den geplanten Standort ausspricht und die Feuerwehr Lindau einen strategisch wertvollen Standort bekommt.






Abschließend, der Artikel ist schon wieder viel zu lange geworden, möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass dies hier geschriebene meine ganz persönliche Meinung ist, die sich nicht zwangsweise mit der der Feuerwehr(-führung) Nonnenhorn oder Lindau decken muss. Und um das ebenfalls noch mal klar und deutlich zu wiederholen, ich bin froh um das neue Feuerwehrhaus in Nonnenhorn – keine Frage. Nur hätte ich, und das habe ich schon vor Baubeginn kommuniziert, eine andere Lösung bevorzugt! Aber (leider) lässt sich das nun nicht mehr revidieren und man arrangiert sich eben mit den geschaffenen Gegebenheiten. Und Schluss! :-)

Andere Meinungen, aber auch Zustimmung sind jederzeit herzlich willkommen, so lange sie den Bereich des Konstruktiven nicht verlassen!

3 Comments

  1. Posted 29. Januar 2008 at 02:24 | Permalink

    Eine Wehr zusammen mit einem neuen Bauhof – beides im Gewerbegebiet – wäre damals in Wasserburg auch die richtige Entscheidung gewesen.

  2. Posted 4. Februar 2008 at 17:40 | Permalink

    Hallöle!
    Ich bin bei der Feuerwehr in Weiler und verfolge die geschehnisse in Lindau auch! Ich würde auch sagen das der Plan die einzige richtige lösung wäre. Das mit den Baulichen Problemen kenne ich auch gut von der Wasserwacht Weiler(bzw.BRK Bereitschaft Weiler) da ich da auch mitglied bin. Also unsere Spinte sind im Rotkreuzhaus(Feuerwehrhaus), die Wasserwacht hatt einen MB Sprinter und einen Hochwasserhänger wo also an recht grosser PKW anhänger ist und da sind zwei aluboote drauf. Die Bereitschaft Weiler hatt das HvO-Auto(Mitsubishi Outlander), an 4-tragen KTW(MB Sprinter), an MTW(VW T4), und an versogungs LKW mit Planenaufbau und dann habense no zwei hänger also die Feldküche und ein Spühlmobil! und das ganze ist auf zwei LKW Garagen und drei PKW Garagen aufgeteilt und diese Garagen sind auno auf den ganzen Ort verteilt! Also richtig lustig wenn an einsatz ist! Da kannst dann erstmal im ganzen ort alles zusammensammeln! Aber wie sagt man bei uns: „Oft host a Pech!“ Ich hoffe nur das sich da auch bald mal jemand richtig gedanken darüber macht!
    Also macht es gut! Grüße aus Weiler
    Andi F.

  3. Christian
    Posted 11. Februar 2008 at 11:58 | Permalink

    Hallole,

    ein interessantes Thema das du da anschneidest, da will ich doch gleich mal ein paar Anmerkungen dazu loslassen, auch wenn die vielleicht nicht jeder gerne hört. Dei Anmerkungen sind antürlich allgemeiner Art und bewerten nicht eine einzelne Maßnahme oder eine einzelne Feuerwehr, die Phänomene können landauf und landab beobachtet werden:

    -Feuerwehrhäuser werden je ländlicher die Umgebung ist in der Regel immer schöner anstatt zweckmäßiger gebaut. Das ist weit verbreitet und ein Übel das leider nicht vermieden werden kann. Natürlich ist es schön wenn sich ein Zweckbau auch gut in die Umgebung einpaßt, aber wenn dadurch andere Faktoren wie Nutzbarkeit und Größe eingeschränkt werden dann ist das aus der Sicht der jeweiligen Kommune die ja Kostenträger der Feuerwehren ist eher negativ zu bewerten. Leider werden oft Architekten genommen die von Feuerwehrhäusern keine Ahnung haben, anstatt sich Spezialisten mit ins Boot zu nehmen. Würde privat jemand soviel Geld ausgeben ohne einen Fachmann zu holen?

    Im Nonnenhorner Fall sei mir aber die Anmerkung gestattet das man einen Schulungsraum auch ohne Stützen über die Fahrzeughalle bauen kann, das gibt es hundertfach in Mitteleuropa. Man muß nur wollen und siehe auch meine Anmerkung zu den Architekten weiter oben.
    Ein Keller ist super und manche Feuerwehr wäre froh sie hätte einen, aber er sollte natürlich so gebaut werden das er nutzbar ist. Wir haben damals keinen gebaut weil wir nicht genug Wathosen haben um ihn zu füllen. 😉

    -Wer Bund- Landes- oder Kreisfahrzeuge unterstellt dem sollte bewußt sein das diese Platz verbrauchen. Hat er diesen Platz ist alles gut, hat er ihn nicht so würde ich als Kostenträger diese Fahrzeuge erstmal rausschmeißen weil die Kommune dafür erstmal originär nicht zuständig ist. :-)
    Natürlich reißen sich alle immer um Fahrzeuge insbesondere vom Bund, so ein toller Pritschenwagen mit Ladebordwand ist ja auch was feines, und die Ausstattung die eigentlich hinten drauf gehört kann man ja einmotten, braucht eh keine Sau. Sowas sieht man landauf und landab überall in Deutschland. Oder ein zusätzliches LF vom Bund, eine prima Sache weil man meint ja dadurch können Ausgaben für eigene Fahrzeuge gespart werden, das Geschrei vor allem in den großen städten war groß als damals die LF 16-TS vom Bund abgezogen wurden und plötzlich ein echter Mangel Bestand. Da haben einige den kommunalen Brandschutz mit Fahrzeugen vom Bund sichergestellt gehabt.
    Also wer davon profitiert darf sich manchmal über negative Folgen nicht wundern.
    Lustig wirds übrigens dann wenn man nachfragt ob die Fahrzeuge auch 24/7/365 besetzt und in den Einsatz gebracht werden können, und das auch entsprechend ausreichend qualifiziert. Da kommt dann oft das große Schweigen.
    Und noch lustiger wirds wenn Fahrzeuge wie der ABC-Erkunder verteilt werden, die will nämlich keiner haben weil die nur Arbeit machen und sich nicht anderweitig nutzen lassen.

    -Alarmierung mit Meldeempfängern ist Stand der Technik, für eine gesicherte Alarmierung ist übrigens der Träger der Feuerwehr = Kommune zuständig. Das eine Sirene in der heutigen mobilen Welt nicht mehr ausreicht dürfte den meisten klar sein, leider werden auch immer mehr Alarmierungseinrichtungen in Betrieb genommen die nicht der TR-BOS entsprechen und deshalb als wertlos zu bezeichnen sind, lustig wirds dann wenn sowas noch in der Lokalpresse als besonders toll verkauft wird.
    Ich nehm doch auch keinen Internet-Grußkartenversand um für eine Jahreshauptversammlung einzuladen, oder?

    -Logistik in der Feuerwehr ist ein interessantes Feld das immer zu wenig Beachtung findet, ist aber klar, lieber stellt man ein Super-Duper HLF mit Kombigelenkmast und 3 Seilwinden in Dienst anstatt an die einfachen Dinge zu denken. Der Trend zur Selbstverwirklichung bei der Feuerwehr ist im Bereich Fahrzeugbeschaffung aber sehr groß, dabei sollte man in diesem Bereich nicht immer nur sein eigenes Süppchen kochen sondern auch mal über den Tellerrand zu den Nachbarn schauen. Gerade im Bereich Logistik und entsprechende Nachschubfahrzeuge empfiehlt sich eine Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren. Damit tun sich aber viele schwer und denken nur an den eigenen Laden, weil es ist ja unser Feuer oder unsere Katastrophe. Leider geht das aus vielen Köpfen nicht raus und es bleibt oft nichts anderes über als auf eine biologische Lösung zu warten bis die Verantwortlichen sich endlich mal an einen Tisch setzen und wirklich zusammen arbeiten.

    -Gemeinsame Nutzung mit Geräten von Bauhöfen sind sicherlich wünschenswert aber nur nutzbar in der 3. Welle bei Großeinsätzen, die Welle des ersten Angriffs und des 1. Nachschubes sollte durch die Feuerwehr immer mit eigenen Mitteln sichergestellt werden.

    -Geldmittel müssen für die Feuerwehren nicht bereitgestellt werden wenns grad paßt sondern dann wenn der Bedarf da ist. Eine Feuerwehr hat keine Wünsche, sie hat nur Bedürfnisse. Die Ausstattung orientiert sich aber daran was der Gemeinde die Sicherheit Wert ist und ob diese Sicherheit bezahlbar ist, wenn eine Gemeinde ihrer Feuerwehr nur Ledereimer zur Verfügung stellt ist das erstmal grundsätzlich denkbar, allerdings mit allen daraus resultierenden, auch rechtlichen Folgen. Das dieses zugegeben krasse Beispiel keine leistungsfähige und dem Stand der Technik entsprechende Feuerwehr darstellt ist auch klar.

    -Die Definiton des Standes der Technik ist bei einem Löschfahrzeug nicht ganz leicht, ich will dazu aber weiter ausholen.
    Bevor über neue Fahrzeuge diskutiert wird sollte immer erstmal der allgemeine Zustand der Feuerwehren landauf und landab beurteilt werden. Ist Persönliche Schutzausrüstung vorhanden die dem Stand der Technik entspricht? Haben alle Atemschutzgeräteträger Bekleidung die den Notwendigen thermischen Schutz vor den Gefahren im Innenangriff hat? Sind notwendige Zusatzausrüstungen für eine effektive Brandbekämpfung und Menschenrettung vorhanden? Sind Hohlstrahlrohre für Angriffstrupp und Sicherheitstrupp vorhanden? Haben Angriffstrupp und Sicherheitstrupp eine Wärmebildkamera? Werden die Gerätschaften den Vorschriften entsprechend gewartet? Wird ausreichend damit geübt? Wie ist die Ausbildung der Mannschaft, wird regelmäßig Heißausbildung, Funkschulung, Erste Hilfe Ausbildung und ähnliches durchgeführt? Sind die Frauen und Männer fit für den Einsatz? Sind die Führungskräfte geschult und kompetent? Sind ausreichend Kräfte vorhanden, auch am Dienstag vormittag um 11 Uhr?
    Gib mir ein TSF das aber mit den obigen Dingen und Personal bestückt ist, ich mach dir damit jedes Feuer aus. Und eine solche Staffel/Gruppe macht jeder Feuerwehr die zwar ein schönes großes neues rotes Auto hat aber sonst nichts auf der Pfanne hat weils Steak braten am Dorffeiertag wichtiger ist was vor.
    Du siehst der Faktor Mensch ist immer noch entscheidend und wird es auch immer sein, das Feuer wird durch Menschen ausgemacht. Wenn die obigen Punkte alle abgeklärt sind dann kann man über neue Fahrzeuge reden, es nutzt aber nichts wenn einfach völlig sinnbefreite Fahrzeuge beschafft werden die zwar Wasser im Tank haben aber nicht bedient werden können.
    Nochmal zwischendrin der Hinweis: Ich rede hier nicht von deiner Feuerwehr, der Feuerwehr Nonnenhorn. Meine Anmerkungen kannst du überall in Deutschland beobachten.
    Und leider wird dabei auch deutlich das überall der erste Potenzersatz das Wasser im Tank bzw. die Größe des Tanks ist. Der zweite Potenzersatz ist der Rettungssatz (der dann oft ohne jedes sinnvole Zubehör wie ausreichend Unterbaumaterial, Glasmanagement, Ausbildung … einfach ins Auto verladen wird damit man ihn hat) den man heutzutage einfach haben muß, egal ob man damit umgehen kann oder nicht. Es gibt noch viele weitere Stilblüten die das ganze treibt, darüber werden aber immer die Basics vergessen.

    -Eine Feuerwehr ist kein Verein, insofern auch nicht vergleichbar wie von dir geschrieben. Sie ist eine Einrichtung und Pflichtaufgabe der Gemeinden. Punkt. Zum Thema Übungsgeld, wer die demographische Entwicklung beobachtet dem wird schnell klar das die qualifizierten Kräfte die bereit sind in der Feuerwehr Dienst tun immer weniger werden, wir werden also immer mehr in Richtung bezahlter Kräfte gehen (müssen), auch die Standortdichte wird abnehmen da das ganze so gar nicht mehr betrieben werden kann. Ich rede hier von einem Zeitraum von 40 Jahren, wir können uns dann gerne nochmal drüber unterhalten.
    Durch die Stilblüten die der Fahrzeugbau gerade treibt explodieren die Kosten immer weiter. Kann man ja gut beobachten das Wehren die früher ein LF 8 auf popligem 5,5 Tonnen Sprudellaster hatten nur LF 10/6 beschaffen mit 1600 Liter Wasser und 13 Tonnen. Ist das normal? Der adäquate Ersatz hierfür wäre ein TSF-W. Genau so sieht es mit den Fahrzeuge der 16er Klasse aus, wer heutzutage ein LF 16 auf 12 Tonnen Fahrgestell ersetzt der nimmt natürlich ein 16-Tonnen LF 20/16, am besten mit 4000 Liter Wassertank, man weiß ja nie …. Ist das der Bedarf? Hat man sich dort Informationen und Statistiken geholt was man überhaupt braucht?
    Wer soll das noch bezahlen wenn sich jeder sein eigenes Konzept bastelt anstatt mal über den Tellerrand zu sehen? Kirchturmdenken nennt man sowas, bei den Feuerwehren läßt sich das überall beobachten. Auch hier gilt: Oft kann man es nur aussitzen und auf eine biologische Lösung hoffen.

    Sodele, meine Pause ist um und ich muß wieder was tun, Ähnlichkeiten mit irgendwelchen konkreten Situationen und Personen sind rein zufällig und waren nicht beabsichtigt. Der Beitrag spiegelt meine persönliche Meinung wieder, wir werden sehen wohin in Deutschland die Reise geht. Wenn ich aber sehe das kaum jemand über den Tellerrand blickt (so wie hier z.B. http://www.wirsinddiefeuerwehr.de/) dann wird mir manchmal richtig Angst um die Feuerwehren.
    Also, lieber gestalten anstatt nur Besitzstand zu verwalten.

    Zum Thema der Hauptwache in Lindau muß ich ersmtal den Leserbrief lesen, dann gibts da auch noch was dazu zu hören.

    Viele Grüße aus der Nachbargemeinde
    Christian

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  1. […] entschieden. Dies halte ich persönlich auch für richtig, und habe ich im Vorfeld schon hier geschrieben. Umso schlimmer finde ich das Nachtreten jetzt. Man kann ja in einer Demokratie immer anderer […]

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