Apple™ MacMini als Alarmfaxserver in der Feuerwehr Nonnenhorn

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Hier soll kurz beschrieben werden, wie ein MacMini seinen Dienst in der Feuerwehr verrichtet. Und das quasi komplett mit OS X Bordmitteln realisiert.

Doch kurz soll zuerst umrissen werden, worum es geht: Zug um Zug werden in Bayern die sog. Integrierten Leitstellen (ILS) eingeführt. Dies sind Zentralen wo der Notruf 112 und die Rufnummer 19 222 für Krankentransporte auflaufen. Die Disponenten dort alarmieren dann entsprechend der Notlage Feuerwehr oder Rettungsdienst vor Ort. Für den Bereich Bayerischer Bodensee ist die ILS Allgäu mit Standort in Kempten zuständig. Grundlage für die Einführung der Integrierten Leitstellen ist das „Gesetz über die Errichtung und den Betrieb Integrierter Leitstellen (ILSG) vom 25. Juli 2002 (GVBl S. 318, BayRS 215-6-1-I), geändert durch § 2 des Gesetzes vom 22. Juli 2008 (GVBl S. 429)„.

Neu für die Feuerwehren ist dabei, dass diese nun flächendeckend mit Funkmeldesystemen (FMS) ausgerüstet werden und neben der Alarmierung mittels Sirene und Funkmeldeempfänger (FME = „Piepser“ am Gürtel) ein sog. Alarmfax bekommen, mit weiteren einsatzrelevanten Angaben zu Einsatzart, Einsatzort etc.

Soweit, so gut. Das „Problem“ mit dem Alarmfax ist nur, dass die ILS nur ein Fax pro alarmierte Feuerwehr verschickt. Wenn diese Feuerwehr jetzt aber über mehrere Einsatzfahrzeuge verfügt, hat nur das erstausrückende Feuerwehrfahrzeug dieses eine Fax dabei, so dass sich der Zug- oder Gruppenführer bei der Anfahrt ein erstes Bild der Lage machen kann. Danach ausrückende und Fahrzeuge und deren Gruppenführer wissen dann keine einsatzrelevanten Details, oder müssten diese über Funk erfragen; gerade dies will man mit den Alarmfaxen aber minimieren und den Funkkanal sowie Disponenten in der Leitstelle entlasten.

Daher gibt es mittlerweile auf dem Markt Faxgeräte die mit einer speziellen Firmware bestückt wurden, die es ermöglichen x-Kopien des Faxes automatisch auszugeben, so dass jeder Feuwehrfahrzeugführer ein entsprechendes Alarmfax mitnehmen kann. Diese speziellen Faxgeräte sind aber, wie zu erwarten, sehr teuer.

Da der Kommandant der Feuerwehr Nonnenhorn beispielsweise seinen Arbeitsplatz rund 20 km entfernt hat, wird er zwar alarmiert, weiß aber u.U. nicht um welche Art von Feuerwehreinsatz es sich handelt. Diese Information kann dieses spezielle „Feuerwehr-Faxgerät“ aber auch nicht geben, da es nur vor Ort eben eine einstellbare Anzahl von Kopien des Alarmfaxes ausgibt.

Daher musste eine andere Lösung her. Der Einsatz eines Apple Mac Mini als Faxserver war naheliegend, da der Mac Mini folgende Vorteile bietet:

  • relativ geringe Anschaffungskosten
  • sehr gute Energieffizienz
  • stabiles OS (Betriebssystem)
  • kompakte Abmessungen
  • Realisierung aller Anforderungen quasi mit OS X eigenen Bordmitteln
  • einfache Fernadministration mittels Apples Remote Desktop; daher quasi weltweiter Zugriff und Administration durch den Admin möglich
  • im Betriebssystem implementiertes BackUp System
  • neben der Möglichkeit Faxe zu empfangen und x-fach an einem Netzwerkdrucker auszugeben, auch die Option Faxe via E-Mail zu versenden
  • mehrere weitere Automatisierungen möglich und in Planung
  • deutlich bessere Funktionsüberwachung als bei einem reinen Faxgerät

Zuerst soll die verwendete Peripherie aufgezeigt werden:

  • Als Router dient eine AVM Fritz!Box WLAN 3270 v3
  • als Switches werden D-Link Gigabit Switches der Greenline Series verwendet (im gesamten Feuerwehrhaus wurden insg. drei Gigabitswitches dieses Typs verbaut)
  • Apple Mac Mini 3,1 mit 2 Ghz Intel Core 2 Duo und 2 GB Arbeitsspeicher DDR3 und Mac OS X 10.5.8 und einer 2,5″ Hitachi HDD mit 300GB.
  • Apple Analog Modem (leider nicht mehr neu bei Apple beziehbar)
  • s/w Lasernetzwerkdrucker Brother HL-2150N series
    (in der Fahrzeughalle verbaut)
  • eine akkugepufferte USV für den Mac Mini Faxserver und Gigabit Switches
  • ebenfalls gibt es zwei PC’s im Netzwerk der Feuerwehr
  • sowie zwei Accesspoints für die WLAN Funkversorgung im Feuerwehrhaus; auch hier wurde besonderen Wert auf stromsparende Produkte gelegt.
  • eine ISDN Telefonanlage mit analogen Nebenstellen war bereits verbaut, weitere MSN’s (Rufnummern) für das Alarmfax wurden beantragt. Das hat den Vorteil, dass die Faxnummer des Alarmfaxes „geheim“ ist und nur der ILS bekannt (keine mehrfach ausgedruckten Werbefaxe etc.)
  • das bestehende Faxgerät wurde als „normales Fax“ beibehalten und dient gleichzeitig als Rückfallebene, sollte der MacMini Faxserver ausfallen

Wie in den oben aufgeführten Stichpunkten bereits beschrieben, ist der Mac Mini also via Apple Analog Modem an einer analogen Nebenstelle der ISDN Anlage anschlossen. Leider haben wir keine Möglichkeit gefunden auf dem Mac eine ISDN Faxlösung zu integrieren; mangels Nachfrage ist die Faxfunktionalität daher wohl auf analoge Anschlüsse beschränkt und selbst hier hat Apple die Produktion und den Verkauf des Modems eingestellt. Es gibt aber noch analoge Modems mit Faxintegration von Drittherstellern. Um optimalen Support für das Faxmodem zu haben, haben wir uns für ein gebrauchtes original Apple Modem entschieden und dieses via Twitter aufgetrieben.

Die OS X integrierte Faxsoftware empfängt Faxe über das Apple Modem und legt diese als PDF Datei in einen definierten Ordner ab. Und hier haben wir angegriffen und eine sog. „Ordneraktion“ mittels Applescript angehängt. Dieses kleine Skript macht nichts anderes, als den Fax-Eingangsordner zu überwachen. Sobald dort eine neue Datei (in unserem Fall ein neues Fax als PDF Dokument) kommt, wird dieses PDF Dokument in der App „Vorschau“ automatisch geöffnet und in unserem Fall viermal an dem Netzwerkdrucker in der Fahrzeughalle ausgedruckt.

Danach wird das PDF Dokument automatisch via E-Mail an ausgewählte Führungskräfte versendet. Dies hat den Vorteil, dass die Führungskräfte, welche sich weiter entfernt vom Einsatzort befinden, entscheiden können ob eine Anfahrt notwendig ist, oder nicht. So muss der Kommandant beispielsweise nicht wegen einer Ölspur oder eiligem Türeöffnen seinen rd. 20 km entfernten Arbeitsplatz verlassen; wird allerdings zu einem Vollbrand alarmiert, ist die Anfahrt erforderlich. Diese E-Mail wird zeitnah mit dem angehängtem Fax im PDF Format verschickt; die Empfänger können dann das Alarmfax so beispielsweise auf ihren mobilen Devices (z.B. iPhone) betrachten, oder aber auch am Arbeitsplatz Rechner.

Daraufhin wird das Alarmfax, welches als PDF vorliegt, von unserem Skript umbenannt und mit einem Datums- & Zeitstempel versehen und in einen anderen Ordner, das Faxarchiv, verschoben.

Der MacMini ist an eine UnterbrechungsfreienStromversorgung (USV) angeschlossen, ebenso der erste Switch im Lokal Aren Network (LAN). Die FritzBox und die ISDN Telefonanlage sollen in der nächsten Ausbaustufe ebenfalls auf eine USV kommen. Darüber hinaus startet sich der MacMini einmal pro Tag zu einem definierten Zeitpunkt neu; der Bootvorgang wurde optimiert und liegt unter einer Minute. Während dieser Zeit (und auch sollte der Mac Mini einmal anderweitig ausfallen) ist das „normale Faxgerät“ im Kommandantenbüro als BackUp bzw. Rückfallebene programmiert; d.h. dass dann dort das Alarmfax, wenn auch nur einmal, ausgedruckt wird. Der Mac Mini wird von einem externen Webserver zusätzlich überwacht und einmal pro Minute angepingt. Sollte der Mac Mini zwei mal hintereinander nicht auf die Pings reagieren, schickt der externe Webserver automatisch eine Nachricht auf das mobile Device des Administrators. Dieser kann sich dann auf unterschiedlichen Wegen von außerhalb auf den MacMini schalten.

Die Fritz!Box baut ein sog. VPN auf, als ein virtuelles privates Netzwerk. Das gibt dem Admin wiederum die Möglichkeit sich quasi von jedem beliebigen Internetanschluß auf der Welt das hausinterne Netzwerk der Feuerwehr Nonnenhorn zu schalten. Er kann dann darin arbeiten, als wäre er direkt vor Ort im Gerätehaus.

Die Fritz!Box ist ebenfalls so konfiguriert, dass sie Statusmeldungen automatisiert an den Admin und den Kommandanten verschickt. Ebenso der Netzwerkdrucker Brother HL-2150N. Dieser verschickt automatisiert E-Mail Nachrichten an den Admin und Kommandanten mit Serviceinformationen; z.B. bei leerer Papierkassette, bald zu Ende gehendem Toner, oder bei Papierstau. So können Admin und Kommandant reagieren und entweder selbst Hand anlegen oder diese Aufgabe delegieren.

Die Möglichkeiten sind aber noch lange nicht erschöpft. Ideen, was mit dem Alarmfax noch automatisiert passieren könnte, bestehen. An deren Umsetzung wird aber noch gearbeitet. Nach erfolgreicher Realisierung und ausgiebigen Tests werden wir dies hier ebenfalls veröffentlichen. Dabei der Aufruf, wer sich mit Texterkennung am Mac auskennt, darf sich gerne melden; da können wir noch etwas Support gebrauchen …

Wer ebenfalls für seine Feuerwehr einen solchen Mac Faxserver aufbauen will, kann sich gerne bei uns melden. Wir unterstützen dabei gerne und stellen auch das Appleskript zur Verfügung und helfen ggf. bei der Anpassung.

9 Comments

  1. Posted 26. Februar 2010 at 05:46 | Permalink

    Es freut mich dass SKC IT Service euch bei dem Projekt unterstützen durfte!

  2. Maximilian Ruppaner
    Posted 26. Februar 2010 at 07:37 | Permalink

    „Die Möglichkeiten sind aber noch lange nicht erschöpft.“

    Naja aber irgendwann aufgrund der Geheimhaltung dann schon, oder? Unterliegt das Alarmfax nicht auch den BOS-Richtlinien wie beim Funk? Weil dann wäre genau genommen ja schon die Weiterleitung an den Bürgermeister fragwürdig.

  3. Jörg
    Posted 26. Februar 2010 at 08:34 | Permalink

    @ Max: Der Bgm. ist obererster Feuerwehrmann im Dorf, insofern sehe ich da keine Probleme. Es soll Landkreise geben, wo der Landrat mit einem FME ausgestattet ist und mit den HiOrg’s alarmiert wird …

  4. Maximilian Ruppaner
    Posted 27. Februar 2010 at 10:18 | Permalink

    „Der Bgm. ist obererster Feuerwehrmann im Dorf“ ja dass wird immer so gesagten, ich bin kein Jurist, und in der Praxis seh ich das auch so. Aber wenn man es doch genau nimmt (also so interpretiere ich es mal), dann ist die Gemeinde „nur“ für den passenden Rahmen zuständig (Geräte, Häuser, Löschwasserversorgung …), der Rest obliegt dem Kommandanten und der Mannschaft.

  5. heni
    Posted 1. März 2010 at 15:47 | Permalink

    Aber so kann sich die Gemeinde schneller auf die Verpflegung der Einsatzkräfte konzentrieren :-)

  6. Axel Bechtoldt
    Posted 20. März 2010 at 09:54 | Permalink

    Hallo zusammen in Bayern,

    wir nutzen hier in Hessen bei der Feuerwehr seit Jahren die Alarmfaxe mit entsprechendem Erfolg. Richtig war in der längeren Vergangenheit die Problematik mit dem eingehenden Fax als einmaliges Dokument. Seit einiger Zeit gibt es aber auch hier eine sehr kostengünstige und vernünftige Lösung für alle Feuerwehren. Das „Feuerwehrfax“ in der Fahrzeghalle.

    Ich zitiere:
    Maintal März 2010: Es kann zwar keine Brände löschen, es ist nicht rot lackiert und es kann auch in vielen anderen Bereichen eingesetzt werden. Aber weil die meisten Anfragen für diese Funktion von den Feuerwehren kamen, hat Brother seine neue Lösung kurzerhand „Feuerwehrfax“ getauft.

    Weitere Infos gibt es im Internet unter www.xxxxxxxx-maintal.de oder per Telefon unter 06181-xxxxxx.

    Ruft dort mal an und fragt nach dem „Feuerwehrfax“ oder „Alarmfax“.

    Schöne Grüße aus Hessen an alle Feuerwehren

    **********************************
    Die „xxx“ wurden durch p5p eingefügt, da wir hier keine Lust auf Werbe-Spam haben.
    Im Übrigen wollten wir genau dieses Alarmfax nicht haben, weil es oben aufgeführte Funktionen eben nicht beinhaltet und ferner nicht wirklich „günstig“ ist.

  7. Axel Bechtoldt
    Posted 20. März 2010 at 11:35 | Permalink

    Ich wollte auf keinen Fall eure Lösung in Frage stellen, nur stellt sich mir sofort die Frage, welche wohl die günstigere Lösung für eine Feuerwehr sein könnte, und welche wohl mit dem Alarmfax der Leitstelle erreicht werden möchte.

    Eine Umleitung eines eingehenden Faxes auf einen Netzwerkdrucker ist schon fasst mit jeder Firtz!Karte oder mit den neuen Fritz!Boxen möglich – dazu brauche ich keinen Mac Mini. Hier ist sogar die Weiterleitung als PDF an eMail möglich. Das einzige was die Fritz!Box dann eben nicht kann ist umbenennen und in ein Archiv verschieben – ist aber m. E. auch nicht notwendig.

    Und von wegen günstig würde ich nochmal prüfen welche der Lösungen den Zweck eines Alarmfaxes erfüllt und für Freiw. Feuerwehren erschwinglich ist.

    Kein Zweifel: Eure Lösung ist bestimmt sehr interessant und effektiv, aber mit Sicherheit nicht günstiger als ein Fax mit Mehrfachausdruck und evtl. eine Fritz!Karte in einem PC – wenn man wirklich Wert auf die Weiterleitung per eMail legt. Ansonsten sollte dieses Fax ausreichen um den Zweck einer „mehrfachen Alarmdepesche“ zu erfüllen. Wer mehr erreichen will, kann naürlich mit dem entsprechenden Equipment ganz tolle Lösungen schaffen.

  8. Jörg
    Posted 20. März 2010 at 11:46 | Permalink

    zur Klarstellung:

    – Brother Netzwerkdrucker rd. 130,- Euro; Apple Modem rd. 20,- Euro ergibt rd. 150,- Euro Anschaffungskosten.
    – MacMini übernimmt noch andere (server-)Aufgaben
    – PC mit Fritz!Card weit weniger energieeffizient und fraglich in Systemstabilität
    – Fritz!Box kann das eben derzeit ohne manuellen Eingriff in die Firmware/Software nicht leisten

    Was kostet denn das „Alarmfax“ von Brother bei euch?

  9. Stephan Meyer
    Posted 25. Oktober 2010 at 17:46 | Permalink

    Guten Tag Jörg Fischer,
    ja das mit den Bordmitteln am Mac und Faxe weiterleiten an eine eMail-Adresse sollte eigentlich funktionieren……
    Tat es bei uns auch bis wir einen Kerio-Mailserver installiert hatten. Ich habe zwar keine Ahnung warum, aber nix geht mehr.
    Nun ist Ihr Bericht das erste vernünftige was ich im Internet als Lösung hierzu gefunden haben. Möchte deshalb nachfragen ob Sie den „Zauber-Script“ auch weiter geben würden? Sie würden mir sehr helfen. Über eine Nachricht würde ich mich freuen.
    Mit besten Grüßen aus Augsburg
    Stephan Meyer

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  1. […] Einen ausführlichen Bericht mit technischen Details zu dem Faxserver auf Basis eines Apple Mac Minis findet man beim “Projekt 5 Prozent“. […]

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