5. Umstrukturierung des bestehendes Tourismusvereins in ein schlagkräftiges Servicebüro

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Wie ich ja bereits in meiner Einleitung zum 10 Punkte Wahlkampfprogramm für Nonnenhorn geschrieben habe, gehe ich mit selbigen sicherlich einen sehr radikalen Weg. Das trifft speziell auch für diesen Punkt „Umstrukturierung des bestehenden Tourismusvereins in ein schlagkräftiges Servicebüro“ zu. Alle hier genannten Ideen sind sicherlich nicht von heute auf morgen umsetzbar, dennoch beschreiben sie m.E. den richtigen Weg.

Wie ist den der Status Quo? Derzeit haben wir ein „Verkehrsamt“, irgendwo im Keller des Stedis versteckt. Die Öffnungszeiten erinnern mehr an das Finanzamt, denn ein Tourismusbüro. Jede Gemeinde am Bayerischen Bodensee bringt ihr eigenes Image Prospekt heraus und macht „unwahrscheinlich effizientes“ Marketing für die Urlaubsregion Bayerischer Bodensee.


Bekanntlich betreibe ich die Bodensee Segelschule Wasserburg. Da kommt es häufig vor, dass ich für meine Schüler eine Unterkunft suche, zugegebener Weise natürlich meist in Wasserburg, aufgrund der räumlichen Nähe (wenn gleich ich auch immer wieder Schüler in Nonnenhorn unterbringe). So auch suchte ich vor ca. einem Jahr (im März 2007) jeweils zwei Doppelzimmer. Zusätzliche Einschränkung, ein Paar wollte mir ihrem Hund anreisen, also musste dieser mit in das eine Doppelzimmer dürfen. Und es war Anfang März, d.h. da haben noch gar nicht so viele Pensionen und Hotels geöffnet. Also rief ich am Verkehrsamt (schrecklicher Name nebenbei bemerkt) an und eröffnete den Damen dort mein Anliegen. Darauf bekomme ich zur Antwort ich solle doch die beiden Adressen mitteilen dann würde man ein Unterkunftsmagazin zusenden. Hallo, fragte ich. Ich will eigentlich nur wissen, welches Hotel bzw. Pension zu diesem Zeitpunkt bereits geöffnet, Doppelzimmer frei hat, möglichst nahe an der Segelschule gelegen ist und keine Einwände gegen den mitgebrachten Hund hat. Keine Chance! Eine solche Anfrage überfordert anscheinend das Verkehrsamt! Alles was man dort anscheinend kann ist Unterkunftsmagazine zu versenden.

Diese Art von Dialogen und Anfragen wiederholten sich ein paar Mal während der Saison. Mittlerweile rufe ich gar nicht erst am Verkehrsamt an, sondern recherchiere selbst direkt bei den Vermietern. Ferner wollte ich im Verkehrsamt meine Prospekte und zwei Plakate für Kindersegelkurse und die Bootsvermietung aufhängen. Dies wurde abgelehnt mit dem Hinweis, dass alle Plätze für Plakate voll sind. Richtig, mit Plakaten vom Sealife in Konstanz, dem Affenberg nahe Überlingen etc. Es zählen also die entfernten Sehenswürdigkeiten und Betriebe mehr als die heimischen!

Ein weiterer Punkt sind die katastrophalen Öffnungszeiten. In meinem Urlaub will ich doch nicht um 8.00 Uhr morgens schon auf dem Verkehrsbüro sein um meine Informationen (hoffentlich) zu bekommen. Nein, ich will auch noch um 18:00 Uhr informiert werden und das auch am Sonntag! In anderen Ländern funktioniert das i.Ü. ohne Diskussion.

Zusammenfassend also alles andere als serviceorientiert! < offtopic >Und (auch wenn das nicht unbedingt hier her gehört, es muss mal gesagt werden) hat man noch nicht begriffen, dass ich mit der Segelschule Touristen an den Bayerischen Bodensee bringe, die sonst nicht gekommen wären! Das heißt ich betreibe aktive Werbung für die Region international. Eine Unterstützung ist jedoch nicht zu erfahren! Im Gegenteil man tut immer so, als würde ich mit der Segelschule von der „Arbeit“ der Verkehrsvereine wahnsinnig profitieren. < /offtopic >

So, nun aber wieder zurück zum Thema; soweit also der Status Quo.

Wie kann man hier allerdings eine Verbesserung herbei führen?

Eigentlich ganz einfach:

Um effizient die schmalen vorhandenen Mittel einzusetzen muss noch viel mehr gemeinsam am Bayerischen Bodensee zusammengearbeitet werden. Das geht so weit, dass es irgendwann einmal nur noch einen Dachverband für das Gebiet geben darf. Zusätzlich kann in jeder Gemeinde ja noch ein effizientes und kundenorientiertes Informationsbüro bestehen, ja muss sogar. Doch das Marketing und die Konzeptionierung muss zentral gesteuert werden. Dass jeder Tourismusort am Bayerischen Bodensee sein eigenes Imageprospekt unterhält ist weit mehr als reiner Luxus, ich würde es Verschwendung bezeichnen.
Denn sind wir doch mal ehrlich, was antwortet der Tourist aus NRW, wenn er nach dem Urlaub zuhause gefragt wird wo er denn war? Antwortet er in Nonnenhorn? Wohl kaum, er sagt er war vielleicht maximal in Lindau, oder am Bayerischen Bodensee, wahrscheinlich sagt er sogar nur er war am Bodensee. Aus diesem Grund bin ich der Auffassung dass sich mittelfristig die Gemeinden Wasserburg, Bodolz und Nonnenhorn zu einem Tourismusverband zusammenschließen müssen. Und viel wichtiger als lauter einzelne Imageprospekte ist heute ein gemeinsamer, großer Internetauftritt. Dieser muss durch entsprechendes Suchmaschinenmarketing ganz oben erscheinen wenn ich Bodensee in die Suchmaschine eintippe. Ãœber dieses Internetportal erfahre ich dann wie es hier am Bayerischen Bodensee aussieht, welche Möglichkeiten mir angeboten werden (z.B. ein Segelkurs 😉 ) und wo ich als Urlauber unterkommen kann. Und damit meine ich nicht nur eine Auflistung der örtlichen Vermieter und Hotels! Vielmehr muss ich hier direkt ersehen können wer wann noch Zimmer/Ferienwohnungen frei hat und diese direkt auf dem Internetportal auch buchen können.

Was ich da gerade in den Tiefen des Internets gefunden habe, lässt mich schaudern und ich kann nur sagen: SOFORT STOPPEN!!! Wer etwas webaffin ist und zusätzlich über starke Nerven verfügt sollte sich mal www.nonnenhorn.eu/entwurf/ anschauen und dann auf Gästeinfo klicken. Dass dies noch eine Baustelle ist und viele Links ins Leere führen meine ich nicht! Ich meine viel mehr, dass hier schon wieder ein veraltetes System Verwendung finden soll, das lediglich der Gewinnmaximierung des Erstellers dient, nicht aber der Gemeinde Nonnenhorn! Bitte hört sofort auf damit! Entzieht den Auftrag! Spart das Geld! Gebt es für sinnvolle Dinge aus!

Heute braucht man ein umfassendes Internetportal, welches professionell aufgebaut ist. Es muss eines der bekannten, ausgereiften Content Mangagement Systeme (CMS: z.B. Typo3) Verwendung finden. Die Inhalte müssen selbst gepflegt und verwaltet werden können und dies am besten täglich! Und man benötigt eine perfekte Suchmaschinenoptimierung. Das kostet sicherlich etwas, aber das ist in meinen Augen gut angelegtes Geld. Und das Ganze muss von einem Profi geleitet werden, der damit von Verkehrsverein beauftragt wurde und meinetwegen ein gewisses Budget zur Verfügung hat. Bitte nicht den gleichen Fehler wie in Wasserburg machen und alle mitreden lassen. Der Ansatz in Wasserburg wäre gut gewesen, da in Wasserburg aber alle mitredeten, die einfach keine Ahnung von der Materie haben, ist ein Flickwerk daraus geworden, welches leider den heutigen Anforderungen nicht entspricht! Schade, denn wie gesagt der Ansatz war gut!

Ferner muss dem Touristen, wenn er denn dann schon mal hier am Bayerischen Bodensee ist, ein toller Service geboten werden. Wieso kann man nicht ins Tourismusbüro „stiefeln“ und sich meinetwegen über das Sealife in Konstanz informieren. Man bekommt nicht nur einen Flyer in die Hand gedrückt, sondern fundierte Informationen vom Servicepersonal. Dieses zeigt sodann auf, dass es doch schön wäre mit Schiff dort hin zu fahren, welches i.Ãœ. z.B. um 14:15 Uhr in Nonnenhorn abfährt. Und weiter: „Wieder zuhause angekommen empfehlen wir ihnen dann um 19:00 Uhr das Familienmenü im Gasthaus XY. Das alles können wir Ihnen zu einem Paketpreis von 28,- Euro anbieten. Darf ich es für Sie so direkt buchen?“ Wieso ist das nicht möglich? Von dem Fahrpreis mit dem Schiff und der Eintrittskarte etc. geht natürlich dann eine gewisse Provision an das Tourismusbüro. Wieso kann das ein Verkehrsverein nicht leisten? Muss man erst warten bis das private Unternehmen machen?

Und so hätte ich noch jede Menge mehr Idee, die auch mit schmalem Geldbeutel umsetzbar wären und die Region ungemein stärken könnten. Allein über das Thema Vor-Ort-Marketing wäre ein eineinhalbstündiger Vortrag quasi sofort aus dem Stehgreif von mir haltbar. Ich sehe hier viel Handlungsbedarf, aber auch Spielraum und Möglichkeiten!

Warum wollen wir hier am Bayerischen Bodensee immer nur warten was die anderen machen und dann Jahre später erst nachziehen? Wieso sind wir nicht mal Vorreiter und bekommen dafür (kostenlose) Beachtung in den nationalen Medien?
So, und nun sind wieder die Leser an der Reihe. Ich freue mich über Kommentare mittels Kommentarfunktiom am Ende des Artikels, allerdings unter Beachtung der im Leitartikel gemachten Angaben. Vielen Dank!

2 Comments

  1. Posted 27. Januar 2008 at 12:55 | Permalink

    Weil ich anderes bereits gehört habe, hier nochmals zur Klarstellung:
    Das oben beschriebene Fallballspiel aus eigener Erfahrung habe ich in Wasserburg und _NICHT_ in Nonnenhorn erlebt!
    Dennoch halte ich alle Verkehrsbüros für modernisierbar.

  2. Christian
    Posted 11. Februar 2008 at 15:12 | Permalink

    Hallo,

    hast du das dem BGM auch so mitgeteilt? Ein super Beispiel das zeigt wie weit sich bestimmte Ämter als „Dienstleister“ verstehen. :-(

    Grüßle
    CS

One Trackback

  1. […] Tourismus habe ich ja bereits unter Punkt 5 schon ausgiebig besprochen. Hier ist dringender Handlungsbedarf. […]

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